Strafverfahren: Schweigen & Beratung sind Gold!

Wird man einer Straftat oder einer Verwaltungsstraftat verdächtigt, so ist es ratsam zunächst vom Recht Gebrauch zu machen einen Anwalt beizuziehen und sich beraten zu lassen; unbedachte Aussagen können nämlich leicht die Lage noch verschlimmern!

 

Zuerst Beratung einholen, dann aussagen!

Meist ist es so, dass unmittelbar nach einem Vorfall, egal ob strafrechtlicher, verwaltungsstrafrechtlicher oder noch nicht strafrechtlicher Natur die Polizei versucht, Aussagen von Zeugen, Opfern und Verdächtigten einzuholen. Die österreichischen Gerichte messen nämlich der ersten unmittelbaren Aussage ein relativ hohes Gewicht bei. Unmittelbar nach dem Geschehen ist die Erinnerung meist noch am aktuellsten, doch können sich in eine Aussage auch unbedachte Formulierungen einschleichen, welche später bereut werden.

Es empfiehlt sich daher von dem in der Strafprozessordnung festgelegten Recht Gebrauch zu machen, Akteneinsicht zu nehmen und einen Anwalt als Berater beizuziehen. Jeder, der einer Straftat oder Verwaltungsstraftat verdächtigt wird, hat das Recht, die Aussage zu verweigern. Nach einer ersten Beratung kann noch immer eine Aussage getätigt werden.

Ist die erste Aussage erst einmal getätigt und finden sich darin Formulierungen, welche möglicherweise nicht glücklich gewählt sind, so lassen sich diese nur schwer im weiteren Verfahrensverlauf korrigieren. Eine Beratung vor einer Aussage ist daher unerlässlich!

 

Vorwurf eruieren, Schlimmeres verhindern!

Meist ist es so, dass Zeugen, Opfer und Verdächtigte zunächst nicht weiter hinterfragen, um was es genau geht, sprich: welcher Vorwurf eigentlich im Raum steht. Oft ist der Vorwurf an einen Verdächtigten weit enger gefasst, als dieser glaubt.

Wenn im Laufe der Einvernahme unbedachte Aussagen getätigt werden oder Hinweise auf weitere Sachverhalte erfolgen, so können sich sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft veranlasst sehen, weitere Erhebungen und Ermittlungen aufzunehmen, welche zuvor gar nicht Gegenstand der Erhebungen bzw. des Ermittlungsverfahrens waren. Wesentlich ist daher stets zunächst zu hinterfragen, was der Vorwurf ist, um dann gezielt auf den Vorwurf reagieren zu können.

 

Verfahrensrechtliche Möglichkeiten im Strafverfahren:

Im Strafverfahren selbst besteht die Möglichkeit zu versuchen, die Verlesung von Aussagen zu verhindern. Weiters ist es möglich, Zeugen zu nennen und Urkunden vorzulegen. Gerade durch eine schlüssige Schilderung im Rahmen einer schriftlichen Äußerung samt Urkundenvorlage lassen sich Verdächtigungen meist leicht aufklären.

 

Schweigen ist Gold!

Zusammengefasst ist Schweigen im Zusammenhang mit einer von einer Behörde oder der Polizei gewünschten Einvernahme oft Gold und eine Akteneinsicht samt anwaltlicher Beratung die bessere Vorgangsweise, damit vermieden werden kann, im Rahmen einer Einvernahme Aussagen zu tätigen oder ein Geständnis abzulegen, das über den ursprünglichen Kenntnisstand der Behörde hinausgeht. Es liegt daher im Eigeninteresse eines jeden selbst, nicht für Taten verantwortlich gemacht zu werden, von denen die Behörde ohne die eigene belastendende Aussage noch gar nichts gewusst hat. In dieser Hinsicht gilt nämlich: Wo kein Kläger, da kein Richter.

 

Ihr

Dr. Stefan KALTENBECK


Newsletteranmeldung