Nachlass regeln? Testament erstellen!

Jeder dritte österreichische Haushalt hat bereits 1 Mal etwas geerbt, wobei die durchschnittliche Erbschaft größer als EUR 100.000,– ist. Es lohnt sich also seinen Nachlass zu regeln, zumal die gesetzliche Erbfolge oft nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Ein Testament sollte man daher rechtzeitig erstellen, denn man kann es nach dem Tod nicht mehr nachholen!

RA Mag. Dr. Stefan Kaltenbeck, Bakk. war Vorsitzender der Studienvertretung Doktorat Rechtswissenschaften, Präsident des Steiermärkischen Konzipientenverbandes und Mitglied des Ausschusses der Stmk Rechtsanwaltskammer und ist nun als selbstständiger Rechtsanwalt in Graz mit den Schwerpunkten Ehe-, Erb- und Familienrecht, Gesellschaftsrecht, Liegenschafts- und Immobilienrecht, Ärztehaftpflicht- und Patientenrecht, sowie Schadenersatz- und Gewährleistungsrecht tätig (www.anwalt-kaltenbeck.at).

Gesetzliche Erbfolge oder Testament?

Jeder, der nicht möchte, dass die gesetzliche Erbfolge eintritt, sondern eine bestimmte Verteilung seines Nachlasses stattfindet, muss eine schriftliche letztwillige Anordnung errichten, da nur so ausgeschlossen werden kann, dass allein die gesetzliche Erbfolge für die Aufteilung des Nachlassvermögens greift. Das sogenannte Parentelsystem bestimmt, welche Verwandten in welcher Reihenfolge nacheinander zur Erbschaft berufen werden, wobei nähere Verwandte entferntere Verwandte von der gesetzlichen Erbfolge ausschließen. Der Ehegatte genießt neben den Verwandten ein besonderes Erbrecht. Auch wenn man ein Vermächtnis einer bestimmten Person zukommen lassen möchte, ist eine letztwillige Anordnung notwendig. Nehmen wir Wolfgang, der verheiratet ist, aber getrennt lebt und eine neue Lebensgefährtin hat. Da Wolfgang nie ein Testament errichtet hat erhält seine geliebte Lebensgefährtin nach seinem Tod gar nichts und seine getrennt lebende Ehegattin aber neben dem einen vorhandenen Sohn 1/3 des gesamten Nachlassvermögens! Lebensgefährten haben nun einmal kein gesetzliches Erbrecht, weshalb sie nur dann etwas vom Nachlassvermögen erhalten, wenn sie im Testament bedacht werden. Wolfang hätte die ungewünschte gesetzliche Nachlassverteilung durch eine Erbeinsetzung wirkungsvoll ändern können.

Testamentserstellung, aber richtig!

Ein Testament wird im Verlassenschaftsverfahren nur dann berücksichtigt, wenn es bestimmte gesetzliche Vorgaben erfüllt. Es kann beispielsweise eigenhändig handschriftlich verfasst und eigenhändig unterzeichnet werden. Johanna hat ihr Testament allerdings am Computer verfasst, ausgedruckt und unterschrieben. Dieses Testament wird im Verlassenschaftsverfahren leider nicht berücksichtigt, da es Formfehler enthält. Damit das mit dem Computer verfasste Testament gültig gewesen wäre, hätte Sabine eigenhändig vor 3 fähigen (!) Zeugen unterschreiben und erklären müssen, dass dies ihr letzter Wille ist. Wer sichergehen möchte keinen Formfehler zu begehen, kann seinen letzten Willen beim Rechtsanwalt seines Vertrauens erstellen lassen.

Testamentsauffindung gesichert?

Mit der Testamentserstellung alleine ist allerdings dann noch nichts gewonnen, wenn das Testament von den Angehörigen entweder nicht aufgefunden wird, vom unrichtigen Angehörigen aufgefunden wird oder bei mehreren Testamenten kein Datum am Testament vermerkt ist. So ist es Gerhard ergangen, der in seinem langen Leben zahlreiche Testamente stets selbst handschriftlich aufgesetzt hat. In seinem letzten Testament hat er seinen Tennisfreund als Alleinerben eingesetzt. Das Testament wurde aber von seinem Sohn aufgefunden und heimlich vernichtet. Da 5 Testamente ohne Datum vorhanden waren, war es schließlich unmöglich zu klären, welches das letzte gültige Testament ist, sodass zwischen den hinterbliebenen Angehörigen ein Streit über das Erbe entbrannt ist. Der entscheidende Vorteil bei einer Testamentserstellung beim Anwalt demgegenüber ist, dass die letztwillige Anordnung im Testamentsregister der österreichischen Rechtsanwälte registriert wird, sodass die letztwillige Anordnung mit Sicherheit nach dem Tod aufgefunden und direkt an den zuständigen Gerichtskommissär ausgehändigt und somit jedenfalls berücksichtigt wird.

Pflichtteilsansprüche mitbedenken!

Bei jeder letztwilligen Verfügung sind natürlich auch die Pflichtteilsansprüche von Kindern, Ehegatten bzw. bei Kinderlosigkeit der Eltern mitzubedenken. Bereits zu Lebzeiten ist es möglich beispielsweise den Kindern ein Angebot zu unterbreiten, dass sie gegen Zahlung einer bestimmten Summe auf ihr Erb- und Pflichtteilsrecht verzichten. So können beispielsweise außereheliche Kinder ausgezahlt werden. Sofern außereheliche Kinder im Testament nämlich nicht erwähnt werden, können Sie die vom Erblasser gewünschten Testamentsfolgen ordentlich durcheinander bringen. Ein Testament sollte daher stets die Realität, also die aktuelle Familiensituation abbilden, weshalb es empfehlenswert ist ca. alle 3 Jahre bzw. bei jeder familiären Änderung das Testament zu überprüfen.


Rechtsanwalt Dr. Kaltenbeck steht Ihnen gerne für ein Beratungsgespräch zu allen erbrechtlichen Fragen zur Verfügung. Sie erreichen ihn telefonisch unter 0316/82 35 00, per Mail an office@anwalt-kaltenbeck.at bzw. können Sie sich auch auf seiner Homepage unter www.anwalt-kaltenbeck.at über die angebotenen Fachgebiete, die diversen Publikationen und das Kanzleiteam informieren.


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