Ehe im Eimer? Scheidungsgründe prüfen!

Wenn die Scherben der Ehe nicht mehr ausreichen, um die Gräben zwischen den Eheleuten zuzuschütten, dann ist spätestens die Zeit gekommen sich über Scheidungsgründe und die Aufteilung des vorhandenen Vermögens Gedanken zu machen. In Betracht kommen die Verschuldensscheidung, die Scheidung wegen Krankheit oder Auflösung der häuslichen Gemeinschaft sowie die einvernehmliche Scheidung mit jeweils verschiedenen rechtlichen Auswirkungen. Gerade bei einer anstehenden Scheidung ist es daher entscheidend seine Rechte zu kennen, bevor der andere Teil die Scheidungsklage einreicht! Auch die Versicherungseindeckung sollte im Scheidungsfall überprüft werden, zumal oft Mitversicherungen bestehen, die nach einer Scheidung nicht mehr greifen.

Lesen Sie weiter, was Sie vor einer Scheidung beachten sollten, welche Scheidungsgründe es gibt und wie Sie Ihre Ansprüche durchsetzen können!

Die Einvernehmliche Scheidung

Die einvernehmliche Scheidung ist die günstigste und schnellste Scheidungsmöglichkeit, wenn sich die beiden Partner in allen Punkten einigen können. Voraussetzung für die einvernehmliche Scheidung ist, dass die Ehepartner seit mindestens einem halben Jahr getrennt sind und die Ehe als unheilbar zerrüttet ansehen.

Die Ehepartner beantragen gemeinsam die einvernehmliche Scheidung, welche im Außerstreitverfahren vor dem zuständigen Bezirksgericht abgehandelt wird. Die Ehepartner müssen eine Scheidungsfolgenvereinbarung treffen, in welcher sie das eheliche Gebrauchsvermögen und die ehelichen Ersparnisse und Schulden aufteilen, die gegenseitigen Unterhaltsansprüche, die Obsorge für die gemeinsamen Kinder und die Unterhaltspflicht gegenüber den gemeinsamen Kindern regeln.

Die Scheidungsfolgenvereinbarung ist das Herzstück der einvernehmlichen Scheidung, da in dieser unter anderem die Aufteilung des ehelichen Gebrauchsvermögens und der ehelichen Ersparnisse und Schulden erfolgt. Hier lohnt sich eine Beratung, wieviel Ihnen rechtlich zusteht und welchen Anteil am ehelichen Gebrauchsvermögen Sie zu fordern berechtigt sind bzw. wie eine Aufteilung bei vorhandenem unteilbarem Liegenschaftsvermögen abgewickelt wird.

Besonderes Augenmerk sollte bei einer Scheidung auch stets auf die Versicherungseindeckung gelegt werden, zumal oft Mitversicherungen beim Ehepartner, der alleiniger Versicherungsnehmer sein kann, bestehen, die im Scheidungsfall bzw. nach dem Auszug nicht mehr greifen. So können beispielsweise Probleme bei der Privathaftpflichtversicherung oder der Rechtsschutzversicherung auftreten, wenn der Ehepartner auszieht, auf den die Versicherungen gelautet haben

Die streitige Scheidung

Die streitige Scheidung wird im Rahmen eines regulären Zivilverfahrens und nicht wie die einvernehmliche Scheidung im Außerstreitverfahren durchgeführt. Zur streitigen Scheidung zählt die Scheidung aus Verschulden, die Scheidung wegen Auflösung der häuslichen Gemeinschaft und die Scheidung aus anderen Gründen, insbesondere aus Krankheitsgründen.

Eine Scheidung aus Krankheitsgründen folgt dem Motto: „In schlechten Tagen besteht Beistandspflicht, in ganz schlechten Tagen besteht ein Scheidungsgrund“. Die krankheitsbedingte Scheidung können Sie fordern, wenn der Ehepartner an einer geistigen Störung bzw. an einer ansteckenden oder ekelerregenden Krankheit leidet.

Der Scheidungsgrund der Auflösung der häuslichen Gemeinschaft setzt voraus, dass die Ehe unheilbar zerrüttet ist und die häusliche Gemeinschaft seit mindestens 3 Jahren aufgehoben ist. Nach ständiger Rechtsprechung muss die Wohnungs-, Wirtschafts- und Geschlechtsgemeinschaft aufgelöst sein. Dem Scheidungsbegehren ist nicht stattzugeben, wenn auch nur eine dieser Gemeinschaften noch aufrecht ist. Die Scheidungsklage ist außerdem dann abzuweisen, wenn der klagende Ehepartner die Zerrüttung allein oder überwiegend verschuldet hat und wenn den Beklagten die Scheidung härter treffen würde als den Kläger die Abweisung des Scheidungsbegehrens. Bei einer mehr als 6-jährigen Auflösung der häuslichen Gemeinschaft ist dem Scheidungsbegehren aber jedenfalls stattzugeben.

Verschuldensscheidung wegen ua Ehebruch

Gem. § 49 Ehegesetz kann ein Ehepartner die Scheidung begehren, wenn der andere durch eine schwere Eheverfehlung oder durch ehrloses oder unsittliches Verhalten die Ehe schuldhaft so tief zerrüttet hat, dass die Wiederherstellung einer ihrem Wesen entsprechenden Lebensgemeinschaft nicht erwartet werden kann. Eheverfehlungen sind gravierende Verletzungen, welche für die Zerrüttung der Ehe kausal gewesen sind. Dabei genügt es, wenn ein Ehepartner seinen Ehewillen verloren hat.

Zu den Verschuldenstatbeständen zählen ua der Ehebruch, die Zufügung von körperlicher Gewalt oder schwerem seelischen Leid sowie die Verletzung der Treuepflicht, die Verletzung der Pflicht zum gemeinsamen Wohnen, die Verletzung der Beitrags- und Unterhaltspflicht sowie die Verletzung der Pflicht zur anständigen Begegnung. Neben diesen wichtigsten Verschuldensgründen kann auch das Installieren einer Abhör- und Überwachungsanlage, das Nichteinbeziehen des anderen in die Freizeit- und Lebensgestaltung sowie die Vernachlässigung des Anderen eine schwere Eheverfehlung darstellen. Ehrloses und unsittliches Verhalten stellt im Übrigen dann einen Verschuldenstatbestand dar, wenn beispielsweise eine schwere Straftat begangen wurde, Rauchgift- oder Alkoholmissbrauch vorliegt oder ein anderes ehrloses oder unsittliches Verhalten gesetzt wurde.

Durch die streitige Scheidung wird grundsätzlich nur die Scheidung der Ehe selbst erreicht; die Aufteilungsansprüche, die Unterhaltsansprüche und die Regelung der Obsorge müssen in gesonderten gerichtlichen Verfahren geltend gemacht und geregelt werden.

Da das Recht auf Verschuldensscheidung nicht mehr besteht, wenn ein Ehepartner das Verhalten des anderen Ehepartners verziehen hat oder nicht als ehezerstörend empfunden hat, ist es jedenfalls ratsam sich beraten zu lassen, wie die beste Vorgangsweise ist. Außerdem müssen Scheidungsgründe binnen einer Frist von 6 Monaten ab Kenntnisnahme geltend gemacht werden. Bei einem fortgesetzten ehewidrigen Verhalten beginnt die Frist aber erst mit der letzten Verfehlung zu laufen. Aufgrund dieser sehr kurzen Frist ist die Kenntnis der Rechte und das Wissen um die Aufteilungs- und Unterhaltsansprüche das Um und Auf.

Durchsetzung Ihrer Ansprüche

Meist lassen sich Ehepartner ehewidrige Verhaltensweisen Ihrer Ehepartner viel zu lange gefallen. Leider passiert es dadurch immer wieder, dass der andere Teil Verfristung oder Verzeihung einwendet. Gerade im Vorfeld einer anstehenden Scheidung bedarf es deshalb einer professionellen Beratung, da es vor allem auch um Möglichkeiten der Beweissicherung geht. Nach Aufnahme des Sachverhalts wird der andere Ehepartner grundsätzlich zumeist zunächst angeschrieben und eine einvernehmliche Scheidung angeboten (in welcher auch ein Schuldeingeständnis und ein dementsprechender Unterhalt verlangt werden kann). Sofern kein rasches bzw. zufriedenstellendes Ergebnis auf diesem Weg erzielt werden kann, ist klagsweise vorzugehen und sind die Ansprüche beim zuständigen Gericht unter Vorlage der vorhandenen Beweise geltend zu machen.


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