Verhaute Urlaubsreise? Preisminderung fordern!

Wer kennt das nicht? Man freut sich auf die wunderschönen Sandstrände laut den Fotos im Prospekt, die idyllische angepriesene Ruhe und die ausgezeichnete versprochene Verpflegung im 5-Sterne Hotel, doch vor Ort ist dann alles völlig anders als vom Reiseveranstalter versprochen. Konsumenten haben diesfalls Anspruch auf Gewährleistung und Schadenersatz und können einen Gutteil des Reisepreises zurück verlangen.

Meist ist es so, dass ein Reisevermittler (also ein Reisebüro oder eine Supermarktkette) eine Reise in einem ihrer Prospekte anbietet und damit als Reisevermittler auftritt. Dieser Rechtsträger vermittelt aber die Reise bloß und wird damit nicht Vertragspartner des Reisevertrages. Der Konsument schließt den Reisevertrag regelmäßig mit dem Reiseveranstalter ab, welcher die Reiseleistungen anbietet und organisiert. Das Konsumentenschutzgesetz hat für sogenannte Pauschalreisen, also die Kombination aus Beförderung, Unterbringung und anderen touristischen Dienstleistungen, besondere Rechte des Konsumenten vorgesehen.

Was ist ein Reisemangel?

Ein Reisemangel ist die Abweichung zwischen dem vertraglich Geschuldetem und dem tatsächlich Geleistetem. Bei Pauschalreisen gilt der Grundsatz der Prospektwahrheit, sprich alles im Reiseprospekt Beschriebene bzw. alle zugesagten Eigenschaften sowie alle abgedruckten Bilder haben die Vermutung der Richtigkeit und Wahrheit für sich. Der Reiseveranstalter muss für diese versprochenen Leistungen einstehen, unabhängig davon, ob ihn ein Verschulden an den Mängeln trifft. Der Reiseveranstalter hat grundsätzlich ein realistisches Bild von der Wirklichkeit im Prospekt zu vermitteln und dem Konsumenten alles für die Reiseentscheidung Wesentliche darzulegen. Werden die zugesagten Leistungen nicht vereinbarungsgemäß erbracht liegen Mängel vor und haben die Konsumenten dadurch das Recht auf Gewährleistung.

Beweise sichern und Mängel rügen

Das Konsumentenschutzgesetz sieht vor, dass der Reisende jeden Mangel, den er während der Reise feststellt, unverzüglich dem Reiseveranstalter oder seinem Repräsentanten vor Ort mitteilen muss. Dies ist deshalb vorgesehen, um dem Reiseveranstalter die Möglichkeit der Nachbesserung zu geben und den Mangel abzustellen. Diese Verpflichtung gilt für den Konsumenten aber nur, wenn dies ohne nennenswerte Mühe an Ort und Stelle möglich ist. Wenn möglich sollte der Reisende somit vor Ort mittels Fotos oder Videos und Augenzeugen Beweise sichern und bei der Reiseleitung die Mängel rügen und – wenn möglich – auch eine schriftliche Bestätigung über diese Rüge verlangen.

Gewährleistungsanspruch auf Preisminderung

Nach Reiserückkehr sind die Preisminderungsansprüche beim Reiseveranstalter schriftlich geltend zu machen. Im Aufforderungsschreiben an den Reiseveranstalter müssen die Mängel im Einzelnen genau beschrieben und dafür eine Preisminderung gefordert werden. Für die Bemessung der Preisminderung haben sich die „Frankfurter Liste“ und die „Wiener Liste“ etabliert, welche den Preisminderungsanspruch bewerten.

So kann für Mängel beim Transport beispielsweise eine ca. 5 %-ige Preisminderung für einen zeitlich verschobenen Abflug über 4 Stunden bzw. eine ca. 10 bis 15 %-ige Preisminderung für eine niedrigere Flugklasse gefordert werden. Bei Mängeln bei der Unterkunft kann beispielsweise bei einer abweichenden Strandentfernung eine ca. 5 bis 15 %-ige Preisminderung, bei einer anderen Zimmerart (zB Doppelzimmer statt Einzelzimmer, etc.) eine ca. 20 %-ige Preisminderung, bei fehlendem Meerblick, fehlender Dusche, fehlendem Fernseher, bei Ungeziefer oder fehlendem Warmwasser eine je ca. 5 bis 15 %-ige Preisminderung gefordert werden. Auch bei Mängeln in der Verpflegung wie einem eintönigen Speisezettel, langen Wartezeiten oder verschmutztem Geschirr sind Preisminderungen möglich. Weitere zugesagte, aber nicht vorhandene Einrichtungen, wie ein fehlender Swimmingpool, eine fehlende Sauna, ein fehlender Minigolfplatz, eine fehlende Reitmöglichkeit oder ein fehlender FKK-Strand, berechtigen ebenfalls zu einer je ca. 5 bis 15 %-igen Preisminderung.

Schadenersatzanspruch und Geldersatz statt Gutschein

Neben den beschriebenen Gewährleistungsansprüchen sind auch Schadenersatzansprüche möglich. Wenn den Reiseveranstalter beispielsweise durch die Bereitstellung von verdorbenem Essen an einer Durchfallerkrankung ein Verschulden trifft, so kann auch Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreude begehrt werden.

In keinem Fall ist der Konsument verpflichtet einen vom Reiseveranstalter angebotenen Gutschein zu akzeptieren, der meist nur einen Bruchteil der tatsächlichen Ansprüche ausmacht. Der Anspruch auf Preisminderung und Schadenersatz ist jedenfalls ein Geldanspruch, Gutscheine können Sie ablehnen!

Durchsetzung Ihrer Ansprüche

Oft reagieren Reiseveranstalter auf private Mängelanzeigen gar nicht oder bieten nur geringfügige Gutscheine an, die nur eine Bindung an den Reiseveranstalter auch bei der nächsten Reise erzeugen. In diesem Fall bedarf es professioneller Unterstützung durch Ihren Rechtsanwalt, der zumeist in einer Besprechung den gesamten Sachverhalt aufnehmen kann und ein dementsprechend fundiertes Aufforderungsschreiben samt dem Preisminderungsanspruch an den Reiseveranstalter richten kann. Wenn Sie über eine Rechtsschutzversicherung verfügen wickelt Ihr Rechtsanwalt auch gerne die Korrespondenz mit diesem ab. Sofern in weiterer Folge keine oder keine zufriedenstellende Reaktion seitens des Reiseveranstalters erfolgt, ist klagsweise vorzugehen und sind die Ansprüche beim zuständigen Gericht unter Vorlage der vorhandenen Beweise geltend zu machen.

Achten Sie darauf, dass Gewährleistungsansprüche binnen 2 Jahren ab Rückkehr aus dem Urlaub und Schadenersatzansprüche binnen 3 Jahren ab Eintritt des Schadens (kann vertraglich auf 1 Jahr verkürzt werden) gerichtlich geltend zu machen sind, damit Sie sich nach einer verpatzten Urlaubsreise zumindest mit der erwirkten Preisminderung eine andere schöne Erholung leisten können!


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